Am 2. März 1922 wurde der  "Anglerclub Makrele" in Kiel gegründet, der sich im Oktober in "Norddeutscher Anglerverein" umbenannte und seine Eintragung vornehmen ließ. Die Gründung mitten in der galoppierenden Inflation hatte in erster Linie wirtschaftliche Gründe. Während der Geldwert rasch verfiel, behielt eine Makrele ihren Wert. Makrelen wurden damals reichlich gefangen.

Am 27. Oktober 1922 wurde auf einer außerordentlichen Generalversammlung die erste Satzung beschlossen, die im Februar 1923 zur Eintragung des Vereins unter dem neuen Namen "Norddeutscher Anglerverein e.V. Kiel" führte. Die Gründungssatzung gibt weitere Hinweise auf die wirtschaftlichen Motive der Vereinsgründung. Die Mitglieder mussten Bootsanteile zeichnen, die aus den Fahrtgeldern per Los getilgt wurden. Ein Aufsichtsrat kontrollierte die Vereinsführung. Den ersten Vorsitz hatte der Lehrer Friedrich Wandschneider, der im Dezember 1923 durch den Polizeibauinspektor Wilhelm Ohlsen abgelöst wurde.

In den ersten Jahren des Norddeutschen Anglervereins stand die Hochseeangelei noch im Vordergrund. Unter den schwierigen Verhältnissen der Zeit nach dem ersten Weltkrieg wurde das Motorboot "Lachs" gekauft und in Eigenleistung für die Hochseeangelei umgebaut.

Der Verein beteiligte sich 1927 mit einer Präsentation seiner Aktivitäten an der fischereiwirtschaftlichen Ausstellung in Kiel und wurde mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. Dort wurde mitgeteilt, dass in den Monaten Juli bis September 1926 auf 47 Ausfahrten über 9000 Makrelen mit einem Gesamtgewicht von ca 5 Tonnen(!) gefangen wurden.

Die an der Angelei im Binnengewässer interessierten Mitglieder waren zunächst noch auf den Nord-Ostseekanal angewiesen. Die Bemühungen um ein eigenes Gewässer führten zu einem Vertrag mit dem Berufsfischer auf dem Bordesholmer See, der den Mitgliedern das Angeln auf dem See erlaubte.

Im Jahre 1927 gelang es dem Verein, den "Alten Eiderkanal" in Kluvensiek zu pachten. Bei der Übernahme durch den Verein war das Gewässer vollständig verkrautet und glich einer Wiese. In unermüdlicher Arbeit und mit primitivem Gerät wurde das Gewässer entkrautet - eine Arbeit, die Jahr für Jahr geleistet werden musste.

Zur Zeit der Anpachtung des "Alten Eiderkanals" gab es für die Mitglieder keine Unterkunft in Kluvensiek. Es wurde auf Heuböden und in Ställen übernachtet. Das Wochenende dauerte von Sonnabendnachmittag bis Sonntagabend und die Anreise war beschwerlich. Man fuhr entweder mit dem Fahrrad die Landstraße oder mit dem Zug bis nach Kronsburg und dann mit geschulterten Bambusruten und Gepäck zu Fuß nach Kluvensiek. Diese Situation besserte sich merklich, als der Verein im Jahre 1932 von August Hoenck, dem Gutsbesitzer in Kluvensiek, ein eigenes Anglerheim mit acht Zimmern und einer großen Küche zur Miete erhielt. Je drei bis fünf Mitglieder teilten sich ein Zimmer.

Die sogenannte "Gleichschaltung" der Vereine im Zuge der nationalsozialistischen Machtergreifung erfasste auch den NAV. Der erste Vorsitzende Emil Drews wurde im Dezember 1933 durch den "Vereinsführer" Otto Eigendorf abgelöst und verließ 1934 zusammen mit etlichen Mitgliedern den Verein. Über die Austrittsgründe im Einzelfall ist nichts bekannt, jedoch dürften auch politische Motive bedeutend gewesen sein.

Die Kriegszeit brachte erhebliche Einschränkungen. Das Motorboot "Lachs" wurde von der Kriegsmarine requiriert. Das Fischen auf der Ostsee eingeschränkt und die Krautwirtschaft durch Brennstoffmangel erschwert. Nach dem Krieg erhielt der Verein zwar eine Entschädigung, jedoch wurde kein neues Boot für die Hochseeangelei beschafft. Trotzdem wurde das Angeln in der Ostsee, insbesondere das Makrelenangeln, weiterhin intensiv und erfolgreich betrieben.

Nach Kriegsende musste das Vereinsheim in Kluvensiek an Flüchtlinge abgegeben werden. Das Gut Kluvensiek gestattete Ende 1945 die Errichtung einzelner Anglerhütten. Als Notbehelf wurde das Turbinenhaus auf der Schleuse als Anglerheim hergerichtet. Durch einen gründlichen Um- und Erweiterungsbau im Jahre 1972 konnte der Verein ein gemütliches Anglerheim mit einigen Schlafplätzen schaffen. Der Verein erhielt auch wieder das alte Anglerheim zur Miete. Acht Mitglieder haben dort die Möglichkeit, Wochenenden und Ferientage mit ihren Familienangehörigen zu verbringen.

Die Pflege des Gewässers und seines Fischbestandes ist zentrales Anliegen des Vereins. Dabei ist die Arbeitskraft der Mitglieder von ausschlaggebender Bedeutung. Immer wieder müssen große Bäume, die in den Kanal gestürzt sind entfernt werden, um eine schnelle Verlandung aufzuhalten. Dieses Ziel hat auch die behutsame mechanische Entkrautung, soweit es erforderlich ist. Die Pflege der mit Reet bestandenen Ufer und ihr Schutz vor der rasch fortschreitenden Verwaldung erhält die Reichhaltigkeit dieses wertvollen Biotops. Siebzehn Fischarten konnten bei Probefischen des Landesverbandes in Kluvensiek nachgewiesen werden. Bei guter Wasserqualität und reichem Nahrungangebot sind unsere Fische gesund und wachsen gut ab. Dieser ca. 7 km lange Abschnitt des ehemaligen "Schleswig-Holsteinischen Kanals" ist heute der besterhaltene Teil des über 200 Jahre alten Kanals. Er ist nun seit über 80 Jahren in der Obhut des Vereins  -  ein landschaftliches Kleinod mit reichem Tier- und Pflanzenleben im und am Wasser.

Die rund 100 Mitglieder des Vereins kommen aus einer großen Vielfalt von Berufen und bringen entsprechende Kenntnisse und Fertigkeiten in die Vereinsarbeit ein. Unsere aktive Jugendgruppe gibt uns die Gewissheit, auch in Zukunft eine gute Mischung von Jung und Alt in unseren Reihen zu haben. Als Kieler Verein haben die Jahre des Wirkens in Kluvensiek dazu geführt, dass viele Mitglieder und Freunde des Vereins in der näheren Umgebung unseres Gewässers beheimatet sind und wir zum Vereinsleben der Gemeinde Bovenau gehören.

Obwohl unsere auch international so erfolgreichen Angler wie Georg Gautann und Fritz Kurzer noch immer unvergessen sind, stand bei uns das gemeinsame Angeln und nicht das Wettfischen im Vordergrund. Dieser Tradition fühlen wir uns verpflichtet und werden sie auch in Zukunft pflegen.

Der Rückblick auf die Vereinsgeschichte erinnert uns an eindrucksvolle Persönlichkeiten, die unseren Verein prägten und prägen. Sie alle zu nennen, ist hier nicht möglich. So seien hier nur stellvertretend die Vorsitzenden genannt:

1922 bis 1923 Friedrich Wandschneider
1924 bis 1926 Wilhelm Ohlsen
1927 bis 1933 Emil Drews
1933 bis 1940 Otto Eigendorf
1941 bis 1947 Hans Grage
1948 bis 1952 Johannes Kamps
1953 bis 1963 Georg Gautann
1964 bis 1974 Arno Fenske
1975 bis 2015 Jörg Schimmler
Seit 2016 Peter Radtke

zurück 
zum Anfang der Seite zurück zur Hauptseite


12/2009